Wikipedia ist keine Enzyklopädie
Wikipedia
definiert den Begriff „Enzyklopädie“ sehr richtig als „strukturierte,
möglichst umfassende Darstellung menschlichen Wissens“. Die mich betreffende
Veröffentlichung bei Wikipedia (den Stand vom
5. Juni 2006, auf den sich meine Gegenrede bezieht, finden Sie
hier als PDF-Datei dokumentiert) ist indessen nicht einmal ansatzweise
enzyklopädisch angelegt, sondern völlig unstrukturiert und offensichtlich
ausschließlich auf das Ziel ausgerichtet, vermeintlich oder tatsächlich
Nachteiliges über mich zusammenzutragen.
Ausschlaggebendes Kriterium dafür, ob irgendein Vorgang in meine (angeblich)
biographische Darstellung aufgenommen wird oder nicht, ist offenbar keineswegs
die Frage, ob der Vorgang einigermaßen bedeutend war, sondern nur, ob sich
daraus Vorwürfe gegen mich herleiten lassen. Eine geschmacklose Tapete im
Oggersheimer Bungalow von Helmut Kohl dürfte - nach den Regeln des Fachs -
nicht in eine enzyklopädische Darstellung über den Ex-Bundeskanzler eingehen,
weil sie unwesentlich ist und die Trennung des Wesentlichen vom Unwesentlichen
zu den wichtigsten Aufgaben des Redakteurs einer Enzyklopädie gehört. Die
Autoren von Wikipedia dagegen sind nicht einmal ansatzweise bemüht, sich an
solchen Maßstäben zu orientieren. Wäre ihnen bekannt, wie schlecht mein
Geschmack in Sachen Tapeten ist, hätten sie es sich zweifellos nicht nehmen
lassen, einen Hinweis darauf in ihre irreführend als enzyklopädisch
deklarierte politische Kampfschrift wider den Rouhs aufzunehmen.
Statt dessen
verleihen sie mir bereits im ersten Absatz einen Spitznamen („Biedermanni“),
weil ich auf Schwächen in ihrer Darstellung hingewiesen habe, was in etwa dem
Konfliktniveau unter rivalisierenden Bewerbern für das Amt des
Klassensprechers in den mittleren Jahrgangsstufen einer Hauptschule
entsprechen
mag, bei Redakteuren einer Enzyklopädie aber vor Wikipedia noch nicht
dagewesen ist.
Nichts ist im
Internet so flüchtig und so leicht manipulierbar wie die Inhalte eines
Chatraums. Themen, die irgend ein Unbekannter im Jahr 2001 in einem von mir
angebotenen Chatraum zur Diskussion stellen wollte, sind für meine Biographie
etwa genau so bedeutend wie jene Bemerkungen, die meine Platznachbarin in der
Grundschule, Nicole, im Jahr 1973 in mein Poesiealbum geschrieben hat, nachdem
sie meine Mathe-Hausaufgaben abschreiben durfte. Bei Wikipedia dagegen rücken
solche Äußerungen Dritter in den Fokus des Interesses, soweit sich daraus
agitatorisches Kapital schlagen läßt.
Der Verfassungsschutz hat einmal gegen mich einen
Schaufenster-Strafantrag gestellt, weil ich die Behörde mit einem
Überfall auf eine KZ-Gedenkstätte in Verbindung gebracht habe. Die
Staatsanwaltschaft konnte meinerseits kein strafbares Verhalten erkennen und
stellte das Verfahren ein. Wikipedia bläht diese Banalität zu einem
berichtenswerten Ereignis in meinem Lebenslauf auf.
Gerüchte und
Falschbehauptungen haben in einer enzyklopädischen Biographie nichts zu
suchen. Aber in der meine Person betreffenden Veröffentlichung bei Wikipedia
machen sie rund zwei Drittel der Gesamtdarstellung aus, wobei die sich ständig
wiederholende Gegenüberstellung der Äußerungen anonymer Hetzer auf der einen
und meiner Dementis auf der anderen Seite eher kabarettistisch als
enzyklopädisch wirkt.
Der Autor
einer Enzyklopädie hält sich sprachlich zurück. Er vermeidet Kraftworte und
enthält sich jeder eigenen Bewertung. Dagegen kann man sich als Leser der
Wikipedia-Kampfschrift wider den Rouhs leicht vorstellen, wie den Verfassern
beim Schreiben der Schaum vor den Mund getreten ist und der Haß aus ihren
Augen funkelte.
Wikipedia
sollte ehrlicherweise entweder auf die Mitarbeit solcher Autoren verzichten,
oder sich in Hatepedia umbenennen.
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