Lügen & Gerüchte
Nirgendwo wird so viel gelogen wie in der Politik.
Manchmal ist die Präzision und die Unverfrorenheit der Desinformation
verblüffend. So mußte sich die der Linkspartei nahestehende
Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin nach einer von mir veranlaßten anwaltlichen
Abmahnung im Frühjahr 2006 in strafbewährter Form verpflichten, nicht mehr die
Falschbehauptung zu verbreiten, ich hätte mich im Jahre 1998 in Hamburg als
Kandidat der Deutschen Volksunion (DVU) um ein Landtagsmandat beworben. Der in
Sachen politische Manipulation unerfahrene Leser mag sich fragen: Was
versprechen sich die hier handelnden Personen davon, mir eine (erfolglose)
Landtags-Kandidatur ausgerechnet für die DVU, nicht irgendwo, sondern gerade
in Hamburg, nicht irgendwann, sondern im Jahr 1998 anzudichten?
Ganz
einfach: Die präzise Angabe von Ort und Zeit läßt die Lüge für den Leser
glaubwürdig erscheinen. Die Behauptung, ich würde mir ständig (an wechselnden
Orten) Ziele setzen, die ich nicht erreiche, rückt mich ins schlechte Licht
eines unstet agierenden Versagers. Über die Behauptung, meine angebliche
Hamburger Landtags-Kandidatur sei gerade für die DVU erfolgt, läßt sich dann
auch noch allerlei Nachteiliges, das über diese Partei angesammelt oder
produziert worden ist, auf mich projizieren. Das soll eine sachliche
Auseinandersetzung mit meinen tatsächlichen Aktivitäten und mit den von mir
vertretenen politischen Inhalten unmöglich machen.
Tun
kann ich dagegen wenig - nur gelegentlich, soweit ein zivilrechtlich
greifbarer Gegner identifiziert werden kann, lasse ich anwaltliche Abmahnungen
verschicken, und einen Teil der Lügen stelle ich öffentlich richtig: Ich war noch
nie in Hamburg politisch aktiv, habe weder 1998, noch in einem anderen Jahr in
der Hansestadt oder sonstwo für die DVU kandidiert. Ich war auch nie
Mitglied der DVU. Aber was ich selbst tue oder unterlasse, ist für die
gegen mich gerichtete Agitation irrelevant. Der Gegner malt sich seine
Scheinwelten so, wie es ihm gefällt, manchmal gestützt auf wahre
Begebenheiten, die ausgeschmückt werden, hilfsweise aber auch als ein
lupenreines Phantasieprodukt.
Im
Falle der gegen mich bei Wikipedia (Stand: Juni 2006,
hier als
PDF-Datei dokumentiert) veröffentlichten Hetze unterziehe ich mich
ausnahmsweise einmal der Mühe, die Details der Agitation zu sezieren:
Manfred Rouhs
(* 1965 in
Krefeld)
ist ein Multifunktionär des
rechtsextremen Spektrums und zur Zeit Fraktionsgeschäftsführer der
Bürgerbewegung pro Köln im
Kölner Stadtrat.
Er ist ferner Bundesvorsitzender der
Bürgerbewegung pro Deutschland. Da Rouhs seine bestehenden Kontakte in das
offen rechtsextreme Spektrum zu leugnen versucht, haben Kritiker ihn mit dem
Spitznamen „Biedermanni“ belegt.
Die
Eckdaten stimmen. Alles weitere sind allgemeine Beschimpfungen, die in einer
Enzyklopädie nichts zu suchen haben.
Manfred Rouhs wurde 1965 in Krefeld geboren. Seine politische
Laufbahn begann 1979
in der CDU-Jugendorganisationen
Junge
Union (JU) und
Schüler Union (SU). Noch während seiner Schulzeit wechselte er
1982 zur
NPD-Jugendorganisation
Junge Nationaldemokraten (JN). Nach seinem
Abitur nahm
Rouhs 1985 in
Köln ein Studium der
Rechts- und
Sozialwissenschaften auf und wurde zum
Generalsekretär des
Rings Freiheitlicher Studenten (RFS) in der
Bundesrepublik Deutschland gewählt. Der war zu diesem Zeitpunkt an einem
knappen Dutzend Hochschulen in der Bundesrepublik vertreten und ein
Sammelbecken von
Deutschnational-Völkischen,
„Freiheitlichen“
im Umfeld der FPÖ
und militanten
Neonazis.
Der
Ring freiheitlicher Studenten
(RFS) steht als Studentenorganisation der FPÖ fest im demokratischen
Spektrum und hat weder etwas mit „Deutschnational-Völkischen“, noch mit
„militanten Neonazis“ zu tun. Die Hetze derer, die hier Wikipedia mißbrauchen,
zielt offenbar bewußt darauf ab, die bestehenden erheblichen Unterschiede
zwischen patriotisch-demokratischen und NS-apologetischen politischen
Organisationen (mit womöglich auch noch gewaltbereiter Anhängerschaft) zu
verwischen.
Von 1985 bis
1987 zu seinem
NPD-Parteiausschluss
im Januar
1987 war Rouhs
nordrhein-westfälischer Landesvorsitzender der JN.
1986 kandidierte
er für die NPD zum
Bundestag.
Der Grund für den Parteiausschluss soll laut einer Darstellung im
IDGR der Vorwurf
gewesen sein, Rouhs habe sämtliche Namen der JN-Mitglieder aus
Nordrhein-Westfalen an die Partei
Die Republikaner (REP) weitergegeben. Manfred Rouhs selbst gibt dagegen
an, der Rauswurf sei erfolgt, weil er eine Distanzierung der NPD von Neonazis
verlangt habe. Im
März 1987 vollzog er den Wechsel zu den REP und baute gemeinsam mit seinem
RFS-Kameraden
Markus Beisicht den Kölner Kreisverband der Partei auf.
Die
politische Entwicklung in
Mitteleuropa war in den 80er Jahre geprägt von der Blockkonfrontation zwischen NATO und
Warschauer Pakt und der damit verbundenen atomaren Hochrüstung auf deutschem Boden. Die Verabschiedung der Unionsparteien
und ihrer Jugendorganisationen vom
Ziel der Wiedervereinigung von DDR und BRD, die Anfang der 80er Jahre begann
und mit dem offiziellen Empfang Erich Honeckers durch Helmut Kohl in Bonn 1987
ihren Höhepunkt fand, konnte ich ebensowenig mittragen wie eine
NATO-Militärstrategie, die durch den Einsatz atomarer Kurzstrecken-Raketen
Deutschland im Kriegsfall der völligen Zerstörung preisgeben wollte. Die
Jungen Nationaldemokraten (JN) waren seinerzeit die einzige mir bekannte
politische Jugendorganisation, die sich das
Zurückdrängen der von Washington und Moskau gesteuerten Militärblöcke aus
Mitteleuropa zum Ziel gesetzt und das von dem Publizisten Wolfgang Venohr
entwickelte Konföderations-Modell zur Neuvereinigung Deutschlands in ihr Programm
aufgenommen hatte. Dafür wollte ich mich als damals 16jähriger Schüler engagieren und
wechselte deshalb von der JU zu den JN.
Aber bestimmte politische Akteure
in der NPD, dagegen damals nur sehr wenige bei den JN, verfolgten ganz andere
Ziele. Sie vertraten ein nationalsozialistisches Geschichts- und Weltbild, wie
es u.a. bei der - mittlerweile verbotenen und aufgelösten - Wiking Jugend (WJ)
dominierend war. Um dem politisch entgegen zu treten, verabschiedete der JN-Bundeskongreß im September
1986 einen Unvereinbarkeitsbeschluß, der Doppelmitgliedschaften in JN und WJ
ausschloß. Und er forderte den Ausschluß des WJ-„Bundesführers“ aus der NPD.
Unsere
Auseinandersetzung mit der WJ wurde von mir in der
nordrhein-westfälischen JN-Mitgliederzeitschrift „JN-Intern“ dargestellt und
positiv kommentiert (hier als
PDF-Dokument abrufbar). Mein damaliger Sprachgebrauch läßt bereits erkennen,
daß für mich seinerzeit taktische Überlegungen keine Rolle gespielt haben: Ich war
jederzeit bereit, mich für Deutschland und für meine politische Überzeugung in
Stücke reißen zu lassen. Und die Neonazis habe ich als Feinde der nationalen
Sache verstanden und dementsprechend bekämpft.
Das
kollidierte mit den Interessen der etablierten Parteien, die in der rechten
Szene vom Verfassungsschutz vertreten werden. Sie wünschen sich die nationale
Opposition möglichst als Bürgerschreck, von dem für sie bei Wahlen keine
Gefahr ausgeht: rassistisch, NS-apologetisch, destruktiv. Folgerichtig
beantragte der Verfassungsschutz-V-Mann Wolfgang Frenz im
nordrhein-westfälischen NPD-Landesvorstand, dem er seinerzeit angehörte,
meinen Ausschluß aus der NPD. Die Behauptung, ich hätte NPD-Adressen an die
Republikaner weitergegeben, ist eine spätere Erfindung der linken Szene. Für
meinen Ausschluß aus der NPD waren vielmehr ausdrücklich meine gegen die
Wiking Jugend gerichteten Äußerungen ausschlaggebend, wie aus dem
entsprechenden Dokument (hier im Format
PDF abrufbar)
hervorgeht. Die übrigen Vorwürfe des NPD-Landesvorstandes treffen nur zum Teil
zu: ich habe in der von mir selbst verfaßten „JN-Intern“ nichts geschwärzt und
auch keine Schwärzungen veranlaßt, und ich habe durchaus seinerzeit nicht
versucht, NPD-Mitglieder von Parteiaktivitäten abzuhalten und auch keineswegs
meine eigene Bundestagskandidatur zurückgezogen, sondern angesichts der
Reaktionen im nordrhein-westfälischen NPD-Landesvorstand auf die von mir
eingeforderte Distanz zu Neonazis - von denen ich damals ja noch nicht wußte,
daß sie vom Verfassungsschutz veranlaßt waren, weil mir der persönliche
Hintergrund von Frenz & Co. nicht bekannt war - schlicht jede eigene Aktivität
für die NPD eingestellt, also auch die Sammlung von
Unterstützungsunterschriften für meine Krefelder Bundestags-Kandidatur, die deshalb nicht zustande
kam.
Nebenbei bemerkt: Ich hätte 1986 gar nicht, wie Wikipedia behauptet, für den
Bundestag kandidieren können, weil in diesem Jahr Wahlen zum
Deutschen Bundestag nicht stattgefunden haben. - Bitte beim Schummeln künftig etwas genauer auf
die Details achten!
Bei
den
Kommunalwahlen im Januar
1989 wurde Rouhs
für die Republikaner erstmals in den Rat der Stadt Köln gewählt. Im
Oktober
1989 enthob ihn der nordrhein-westfälische Landesvorstand der Partei wegen
eines
Putschversuches von seinen Ämtern und im
November
1989 wurde er zusammen mit Beisicht aus der Partei ausgeschlossen.
„Putschversuch?“
- Nach meinem Wechsel zu den Republikanern mußte ich leider feststellen, daß
dessen nordrhein-westfälischer Landesvorstand - zufällig? - genauso destruktiv
orientiert war wie sein (vom Verfassungsschutz dominiertes) Gegenstück bei der
NPD. Mein angeblicher „Putschversuch“, der zu meinem Ausschluß aus der Partei
Franz Schönhubers führte, war die Teilnahme an einer Besprechung beim zu den
Republikanern übergetretenen ehemaligen FDP-Landtagskandidaten Reiner Reusch,
in deren Rahmen Reusch seine Absicht bekanntgab, beim nächsten
Landesparteitag gegen den mit seinem Amt offensichtlich völlig überforderten
REP-Landesvorsitzenden Kurt Beckmann kandidieren zu wollen. - Ein in jeder
demokratischen Partei ganz normaler Vorgang, denn Vorstandsämter sind keine
Erbpacht, sondern werden von den Mitgliedern auf Zeit vergeben. Tatsächlich
wurden alle Teilnehmer der Besprechung bei Reusch aus der Partei Die
Republikaner ausgeschlossen. Irrsinn pur! Es kennzeichnet das defizitäre
Demokratieverständnis der hier tätigen Wikipedia-Autoren, daß sie eine solche
Vorgehensweise als legitim interpretieren und die damals vom
nordrhein-westfälischen REP-Landesvorstand vorgenommene Bewertung der
Besprechung als „Putschversuch“ kolportieren.
1991
war er einer der Begründer der rechtsextremen Partei
„Deutsche
Liga für Volk und Heimat“,
für die er mit seinem weiterhin gültigen Ratsmandat bis
1994 im Kölner
Stadtrat saß. Hier fiel er besonders durch seine Hetze gegen
Sinti und
Roma und
Flüchtlinge, gegen Bettler und Drogenkranke und gegen den
jüdischen
Schriftsteller
Ralph Giordano auf. Im März
1993 setzte die
Partei ein „Kopfgeld“
von 1.000 Mark auf eine von Abschiebung bedrohte Roma-Frau aus, die versteckt
in Köln lebte, was bundesweit für Aufsehen sorgte. Im Zuge der zunehmenden
Bedeutungslosigkeit der
DLVH löste er
sich wieder von ihr und gründete
1996 zusammen mit
anderen ehemaligen Studenten aus dem RFS wie Markus Beisicht die
„Bürgerbewegung
pro Köln e.V.“.
Ich
gehöre nicht zu den Begründern der Deutschen Liga, sondern trat dieser
Vereinigung, in der eine Handvoll Kölner den parteipolitischen Niedergang der
deutschen Rechten bis zur Gründung der Bürgerbewegung pro Köln überdauert hat,
erst einige Monate nach ihrer Gründung bei.
Warum
sollte ein so freundlicher Zeitgenosse wie ich gegen irgendwelche anderen Menschen
hetzen oder gar eine Geldprämie auf ihren Kopf aussetzen? Da geht offenbar mit
jenen linken Agitatoren, die einen Teil ihrer Freizeit vor dem Computerbildschirm
verbringen, um bei Wikipedia abenteuerliche Geschichten einzutragen, vollends
die Phantasie durch. Wäre davon auch nur die Hälfte wahr, dann hätte ich gewiß
einen gehörigen Teil meiner Lebenszeit im Gefängnis zugebracht. Richtig ist
wohl, daß ich seinerzeit einmal an einer Podiumsdiskussion im Schulzentrum
Köln-Rodenkirchen mit Ralph Giordano teilgenommen und ihm verschiedentlich
widersprochen habe. Das soll als Hetze zu bewerten sein? Stehe ich etwa in der
Pflicht, mit Herrn Giordano in allem und jedem einer Meinung sein zu müssen?
Rouhs wechselte in diesem Jahr zunächst nach Eschweiler-Dürwiß
und versuchte hier, zusammen mit
Stolberger Neonazis ein „Nationales
Zentrum“
aufzubauen. Durch das Engagement des Stadtrates von
Eschweiler und der Bürger der Stadt scheiterte das Projekt und Rouhs
kehrte nach sechzehn Monaten nach Köln zurück, wo er sich verstärkt dem Verein
„Pro
Köln“
widmete, der sich ein bewusst bieder-bürgerliches Image gibt. Noch 2001
veranstaltete Rouhs jedoch auf der damals von ihm betriebenen
[1] Hompepage www.signal-online.de einen Chat zum Thema rechter
NPD-Flügel: „RPF
- Chance für die Einheit im Nationalen Widerstand? Wie sollen wir mit der
Revolutionären Plattform Aufbruch 2000 (innerhalb der NPD/JN) umgehen? Ist sie
eine Chance, weil sie ziemlich gut mit den freien Kameradschaften
zusammenarbeitet? Oder spaltet sie die NPD, indem sie ein 'Grüppchen'
innerhalb der Partei aufbaut?“
[2]. 2004 zog er für „Pro
Köln“
erneut in der Rat der Stadt Köln ein. Er ist seither Geschäftsführer der
Ratsfraktion.
Ich
habe zu keinem Zeitpunkt versucht, in Eschweiler-Dürwiß ein „Nationales
Zentrum“ aufzubauen, weder mit, noch ohne „Stolberger Neonazis“. Ob es in
Stolberg seinerzeit eine Gruppe von Neonazis gegeben hat, kann ich nicht
beurteilen; mir ist nur bekannt, daß dort die Führung jener „Wiking Jugend“
ansässig gewesen ist, deren Ausschluß aus der NPD ich 1986 gefordert hatte.
Dort wäre ich wohl kaum willkommen gewesen. Vielmehr hatte ich in
Eschweiler-Dürwiß lediglich Büroräume angemietet, die ich so lange genutzt
habe, bis ich in Köln geeignete Räumlichkeiten fand. Diesem doch eher banalen
Vorgang eine spannende politische Bedeutung zuzuschreiben, zeugt von der
blühenden Phantasie der Wikipedia-Autoren.
Und ich
habe durchaus auf meiner Internetseite keinen Chat zum Thema „RPF - Chance für
die Einheit im Nationalen Widerstand?“ durchgeführt. Die von einem offenbar
interessierten Dritten eingetragene Vorankündigung wurde von mir gelöscht und
der Chat nach zahlreichen weiteren Provokationen geschlossen. Den
Wikipedia-Autoren und -Administratoren muß bewußt sein, daß sie diesbezüglich
nicht seriös argumentieren, weil sie selbst immer wieder Zielobjekt ähnlicher
Manipulationen geworden sind. So nahm eine Wikipedia-Veröffentlichug im Sommer
2006 kurzzeitig positiv Bezug auf Joseph Goebbels. „Manche Administratoren,
die Wikipedia-Einträge mit politischen Inhalten redigieren, empfinden für das
Goebbelsche Talent zur Verdrehung von Tatsachen aufrichtige Bewunderung“, hieß
es da in einer (hier
als PDF-Datei dokumentierten) Darstellung auf Wikipedia. Der Eintrag wurde
nach kurzer Zeit gelöscht und dürfte wohl kaum die Einstellung der
angesprochenen Administratoren zutreffend widergegeben haben.
1987
gründete Rouhs den nach ihm benannten Verlag und rief im Jahr darauf die
später in „Signal“ und 2004 in „nation24“
umbenannte rechtsextreme Zeitschrift „Europa
vorn“ ins Leben, als deren Herausgeber er fungierte und die sich
bald zu einem der bedeutendsten Strategieorgane der extremen Rechten
entwickelte. Ab Anfang 1997 erschien in Rouhs Kölner Verlag vierteljährlich
das
Rechtsrock-Fanzines „Neue
Doitsche Welle“
(NDW), bis es Ende 1998 durch Rouhs mit der Zeitschrift „Signal"
zusammengelegt wurde. Chefredakteur mit presserechtlicher Verantwortung war
der Neonazi-Skinhead
Sascha Wagner, der heute im Bundesvorstand der Jungen Nationaldemokraten (JN)
und als Mitarbeiter der NPD-Fraktion im sächsischen Landtag aktiv ist. In der
Ausgabe 6/1998 wurde unter der Überschrift „Modell einer gelungenen
lokalen Kulturrevolution“ die Entstehung eines Bürger- und
Jugendzentrum in der sächsischen Kreisstadt
Wurzen als
Modell für so genannte
national befreite Zonen beschrieben.
Der
Umstand, daß der seinerzeit noch jugendliche Sascha Wagner (der übrigens
reichlich Haare
auf dem Kopf hatte und insoweit zumindest äußerlich nicht das
Skinhead-Klischee bediente) gut ein Jahr lang in meinem Verlag beschäftigt war,
danach aber einvernehmlich gekündigt und seinen Lebensweg in einer gegenüber
den 80er Jahren erheblich veränderten NPD fortgesetzt hat, belegt das
Gegenteil dessen, was Wikipedia behauptet: Würden die in diesen Szenerien
vertretenen Inhalte meiner Überzeugung entsprechen, warum hätte ich mich dann
von Sascha Wagner trennen sollen? Und das Erscheinen der - für mich finanziell
einträglichen NDW - eingestellt?
Nebenbei: Selbst in Sascha Wagners NDW wurde die „national befreiten Zone“ nur
als Formulierung des politischen Gegners zitiert, nicht aber als Modell
vorgestellt.
Im
März 1991 gründete Rouhs zusammen mit den Kölner Rechtsrockern
Torsten Lemmer und Christian Eitel die Firma
„LER &
Partner GmbH“,
aus der er jedoch schon einen Monat wieder ausstieg. In der Mitte der 1990
Jahre war er Herausgeber der Schülerzeitung
„Hoppla“,
mit der im sogenannten vorpolitischen Bereich Jugendliche für das rechte Lager
rekrutiert werden sollten und die vor allem von JN-Mitgliedern vor
Schulgebäuden und Jugendeinrichtungen verteilt wurde. Seit 1996 betreibt er
ein
Record Label, in der mehrere
Rechtsrock-Bands und rechte „Liedermacher“
wie Hans Becher oder Holger Stürenburg veröffentlicht wurden.
Lemmer
und Eitel sind keine Kölner, sondern Düsseldorfer. Und sie haben meines
Wissens selbst nie Rockmusik gemacht, sondern versucht, eine entsprechende
Produktion nebst Vertrieb aufzubauen. Mir ist nicht bekannt, daß JN-Mitglieder
„Hoppla“ verteilt hätten.
Spätestens seit Mitte der 90er Jahre pflegen Rouhs und
„Pro Köln“
Kontakte in das Spektrum der militant-neonazistischen
„Freien
Kameradschaften“.
Kader dieser Organisationen riefen mehrfach zur Beteiligung an von
„Pro Köln“
angemeldeten Kundgebungen und Demonstrationen auf, unterstützen die Aufrufe
als Mitunterzeichner und liefen in den Demonstrationszügen mit. Auf einer
Feier zum fünfjährigen Bestehen des „Nationalen
Infotelefons Rheinland“
(NIT) von André Goertz 1998 soll Rouhs laut IDGR die Grußworte gesprochen
haben. Von Rouhs wird dies jedoch bestritten. Im selben Jahr unterzeichnete er
zusammen mit
Franz Schönhuber,
Gerd Sudholt und
Christian Rogler eine „anti-imperialistische
Solidaritätserklärung“
für den Irak. Der
Spendenaufruf für irakische Kinder wurde von der
„Aktion
Kinderhilfe Irak“
des französischen Rechtsextremisten
Jean-Marie Le Pen und seiner Organisation
„SOS -
Enfants d'Iraque!“
initiiert.
Ich
unterhalte keine Kontakt zu „militant-neonazistischen freien Kameradschaften“.
Soweit auf deren Internetseiten zur Teilnahme an Demonstrationen der
Bürgerbewegung pro Köln aufgerufen wurde, ist das gegen meinen Willen und
gegen den Willen aller anderen pro-Köln-Mitglieder geschehen. Es gibt keinen
einzigen Demo-Aufruf, der von pro-Köln-Mitgliedern und Neonazis gemeinsam
unterzeichnet worden wäre. Neonazis traten bei einer Demonstration der
Bürgerbewegung pro Köln im Jahr 2004 lediglich als Störer auf, nicht aber als
Teilnehmer. Und ich habe noch nie an irgend einer Feier eines „Nationalen
Infotelefons“ teilgenommen oder bei einer solchen Feier oder irgend einer
anderen einschlägigen Veranstaltung ein Grußwort gesprochen.
Auf
einer Internet-Website
behauptete Rouhs, V-Leute des
Bundesamtes für Verfassungsschutz hätten die Gedenkstätte im
Konzentrationslager Kemna überfallen. An dem Überfall 9. Juli 2000 waren
die NPD-Mitglieder
Thorsten Crämer und Nico Wedding als Rädelsführer beteiligt, die nach
einem Bericht des „Kölner
Stadt-Anzeigers“
beide vom stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
Wolfgang Bosbach als V-Männer bezeichnet wurden. Außerdem forderte Rouhs
die Abschaffung des Bundesamtes und rief zu Demonstrationen unter dem Motto
„Keine
Freiheit für die Feinde der Freiheit“
auf. Das in Köln ansässige Amt stellte daraufhin im Februar 2002 Strafantrag
wegen schwerwiegender Verleumdung, übler Nachrede und Beleidigung. Der
Strafantrag führte jedoch nicht zu einem Strafverfahren. Das Amtsgericht
Wuppertal hat nach Aussage von Rouhs in einem Urteil unter dem Aktenzeichen 23
(24) Cs 733 Js - 1655/01 gegen einen Mittäter des Überfalls auf die
KZ-Gedenkstätte Kemna strafmildernd berücksichtigt, daß der Überfall mit
Wissen und Wollen des Verfassungsschutzes geschehen ist.
Genau
so hat es das Wuppertaler Gericht unter dem zitierten Aktenzeichen
festgestellt, und u.a. deshalb sehe ich keine Veranlassung, meine Vorwürfe
gegen den Verfassungsschutz zurück zu nehmen, die sich indessen zu keinem
Zeitpunkt auf Mitarbeiter gerade des Bundesamtes der umstrittenen Behörde
bezogen haben. Ich hege vielmehr den begründeten verdacht, daß Mitarbeiter
einer bestimmten anderen Geheimdienst-Gliederung beim Überfall auf die
KZ-Gedenkstätte Kemna ihre schmutzigen Finger im Spiel hatten.
In
der von
Thies Christophersen herausgegebenen Neonazi-Postille „Die
Bauernschaft“ war unter dem Namen von Manfred Rouhs ein Leserbrief
veröffentlicht worden, wonach „im 3. Reich keine 6 Millionen Juden
vergast oder sonst wie ermordet worden“ seien und die Deutschen auch
den Zweiten Weltkrieg nicht verschuldet hätten. Rouhs leugnete die
Urheberschaft und versuchte sich gerichtlich gegen die Enthüllung zu wehren,
doch folgten weder das Kölner Landgericht noch das Oberlandesgericht seinen
„substanzarmen“ Versicherungen.
Mein
Antrag auf Erlaß einer Einstweiligen Verfügung gegen eine Kölner Zeitung, die
über den Abdruck des Leserbriefes berichtet hatte, scheiterte nicht, weil die
Gerichte eine von mir abgegebene Eidesstattliche Versicherung, aus der
hervorgeht, daß ich nicht der Verfasser des in Rede stehenden Leserbriefes
bin, als „substanzarm“ bewertet hätten, sondern weil die betreffende Zeitung
nicht behauptet hatte, daß der Brief tatsächlich von mir verfaßt worden sei
und die Gerichte deshalb die Veröffentlichung als zulässig bewertet haben. Ich
halte eine Berichterstattung über den Abdruck des Leserbriefes ohne den
ausdrücklichen Hinweis, daß es sich um eine Fälschung handelt, für
irreführend. Denn beim Leser könnte der Eindruck entstehen, ich hätte mit dem
Inhalt der Fälschung etwas zu tun - und genau dieser Effekt ist ja wohl auf
Seiten derer, die den Leserbrief heute propagandistisch verwerten, auch
beabsichtigt.
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